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Presse zu Neonaziprozess
taz / 3.6.2008
Justiz
Opfer von Nazi-Schlägern wartet auf Urteil
Der Prozess um einen Neonazi-Angriff in Pankow
wird nach der Aussage eines der Opfer auf den Herbst vertagt.
VON NORA GROSSE-HARMANN
Die Faustschläge und Tritte hat Franz
C. schnell verwunden. Was bleibt, ist die Angst vor weiteren
Angriffen der Neonazis. Seitdem 15 junge Rechtsextremisten
ihn und andere Jugendliche nach einer Antimoscheedemo in Pankow
gewalttätig überfallen hatten, fühle er sich
"unbehaglich", wenn er im Bezirk "allein unterwegs"
ist, sagte der 19-Jährige am Dienstag im Zeugenstand
des Amtsgerichts Tiergarten.
Im Juli vergangenen Jahres hatte die "Initiative
Pankow-Heinersdorfer Bürger" eine Demonstration
gegen den geplanten Bau einer Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde
veranstaltet. Zeitgleich fand eine antifaschistische Gegenkundgebung
am Pankower Garbáty-Platz statt. Laut den Erzählungen
des Attackierten griffen die Neonazis eine Gruppe 14- bis
19-jähriger Jugendlicher, die sie für politisch
links hielten, nach der Demo brutal an. "Ich konnte nicht
so genau verstehen, was sie dabei riefen", berichtet
Franz C. "Später habe ich dann gehört, dass
es Parolen wie ,Antifa, wir kriegen euch' und ,Jetzt klatscht
es gleich richtig' gewesen sein sollen." Dabei habe er
bei den Demos "bloß zugeschaut".
Zivilbeamte der Polizei verhinderten damals,
dass der Angriff der Rechtsextremisten auf die Jugendlichen
ausartete. Einige der Angreifer wurden bereits im Oktober
2007 zu Haftstrafen zwischen 5 und 16 Monaten verurteilt.
Fünf weitere Schläger müssen sich nun vor Gericht
wegen Körperverletzung verantworten. Die Angeklagten
machten jedoch den Eindruck, als hätten sie mit der Sache
nichts zu tun gehabt: "An dem Überfall selbst war
ich nicht beteiligt", sagte etwa David G. aus Lichtenberg.
Laut einer Pressemitteilung der Vereinigung der Verfolgten
des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen (VVN/BdA) ist
er in der rechten Jugendszene kein Unbekannter. Auch Domenic
von der P. fühlt sich unschuldig. "Die Polizisten
haben mich einfach angegriffen und an die Wand gedrückt.",
sagte er.
Ob und wie die fünf Jugendlichen verurteilt
werden, bleibt vorerst offen. Richter Stephan Kuperion äußerte,
die Beweisaufnahme nehme "ein solches Ausmaß"
an, dass sie auf September und Oktober dieses Jahres verlegt
werden müsse. Dann soll es weitere Verhandlungstage geben.
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